Nachhaltigkeit
Arbeiten

WORK Spaces

Auch in Zukunft werden Firmen zur Unternehmensentwicklung und -steuerung eine Schaltzentrale benötigen.
Ein Leitfaden für die räumliche Zukunft der Denkarbeit
Autor: Wilfried Lembert (minimum)

„Das so wichtige Wir-Gefühl, die Bindung an das Unternehmen – all das erfordert eine Heimat.“

Wilfried Lembertminimum

Corona hat gezeigt, dass die kreative Performance von Unternehmen mit der Verlagerung der Mitarbeiter:innen ins Homeoffice abgenommen hat. Unternehmen, die geblendet waren vom Einsparpotenzial bei den Mieten und die eigenen Flächen in Innenstadtlagen reduzierten, rudern bereits zurück. Sie stellten schnell fest, dass sich die Unternehmensperformance negativ entwickelte. Impulse durch informellen Austausch können nur schwerlich digitalisiert werden. Dies wird auf eine prozentuale Reduktion von festen Arbeitsplätzen an Firmenstandorten hinauslaufen. Ein Performance- Quotient kann in Zukunft darüber Auskunft geben, wie viele Mitarbeiter:innen regelmäßig am Standort sein sollten, um die optimale Performance des Unternehmens zu gewährleisten. Dieses Vorgehen erfordert neue digitale Tools für den reibungslosen Ablauf: Wer ist wann wo im Unternehmen? Wie kann ich meinen Arbeitsplatz in der Nähe von Kolleg:innen buchen, mit denen ich gemeinsam an einem Projekt arbeite?

Wie könnte eine Firmenzentrale aufgebaut sein? Oft schon haben wir festgestellt, dass aus einer Ist-Situation ein neues Gebäude geplant wird und die aktuelle Betriebsorganisation über den neuen Grundriss gelegt wird. Diese Manifestation von Bürostrukturen macht Unternehmen schon beim Einzug verhindernd alt. Nur: Gebäude existieren länger als Unternehmens-Organisationsstrukturen. Sollte deshalb eine Firmenzentrale nicht auch ein Labor, Theater oder Werkstatt sein, um sich permanent auch räumlich anpassen und verändern zu können? „Ich will nicht zurück ins Großraumbüro“ ist oft das schlagende Argument von Rückkehrverweiger:innen. Aber darum geht es nicht. Vielmehr sollten unterschiedlichste Arbeitsformen ermöglicht und gefördert werden, inklusive Rückzugsräumen für konzentriertes Arbeiten. Gleichzeitig könnte jeder Raum, jeder Flur dazu inspirieren, den informellen Austausch und das Zusammenkommen zu fördern. Wir kennen solche Strukturen aus dem Dorf. Eigentlich schätzen alle das Gefühl, in der Geborgenheit und Sicherheit eines Dorfes zu leben und zu arbeiten. Man kennt sich. Jeder hat seinen Rückzugsort und ist trotzdem in die Dorfgemeinschaft eingebunden. Der informelle Tratsch am Gartenzaun hilft, dass alle möglichst alles wissen. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen, spezifische Projektgruppen in Form von Vereinen, selbst die Sharing Economy wurde im Dorf erfunden, indem man sich Kühlfächer in der Dorfmolkerei teilte und sich am Samstag zum Brotbacken am Gemeindebackofen traf. Gemeindehäuser waren die Bibliotheken von heute und jedes noch so kleine Dorf hatte ein Gasthaus. Aus unserer Sicht gibt es kein Großraumbüro. Es ist im besten Sinne ein Village: heterogen gestaltet und mit vielfältigen Angeboten, die man in einem funktionierenden Dorf wiederfinden würde.